Garten des Grauens

Garten des Grauens

Es ist dunkel, beim Hindurchgehen knirscht der Kies unter  meinen Sohlen, der Mond leuchtet verstohlen hinter einem Baum hervor. Der Wind streicht um eine kleine  marode Hütte und man meint ein Säuseln von Stimmen zu vernehmen.

Ein Waldkauz lässt seine schaurige Melodie erklingen und von fernem schlägt die Glocke einer kleinen Kapelle Mitternacht.

Am Weg gliedern sich Beete an, die bei Nacht wie eingesäumte Gräber anmuten. Akkurat angelegt, sauber eingefasst, alles mit dem Lineal gezogen, gründlich zurechtgestutzt, festgebunden und nichts dem Zufall, respektive der Natur überlassen.

Es raschelt, ist da jemand?

Nein, es ist nur eine kleine Maus, die einen aus den großen schwarzen Augen neugierig anblickt.
Mein Gang geht weiter an einer Mauer entlang, die mit Efeu und Wildem Wein bewachsen ist.
Plötzlich vernehme ich ein sanftes Streicheln an meiner Wange und erstarre vor Angst. Abrupt bleibe ich stehen und mir treten Schweißperlen auf die Stirn.

Das Streicheln hört jedoch nicht auf und ich taste vorsichtig und langsam an meine Wange.

Ich ertaste etwas Feines, Filigranes und traue mich, es fester anzufassen. Da erst erkenne ich, dass es ein kleiner Spross des Wilden Weins ist, der sich frisch und zart seinen Weg sucht.

Da, ein Schatten.

Himmel nochmal, ich mach mir gleich in die Hose. Das kann doch nicht sein, dass sich ein erwachsener Mensch so schisserig (ängstlich) in der Nacht bewegt.

Also reiße ich mich am Gürtel, sprich Riemen, und spähe um die Mauerecke, wo mir flatterig ein patriotisches Stück Stoff a la Frankenfahne entgegen winkt.

Ich laufe weiter, irgendwo muss es doch wieder nach draußen gehen.

Ein süßer Duft lockt mich jedoch weiter, ich kann nicht erkennen, was es ist, das meine Sinne betört.
Derweil hat sich das Mondlicht fast gänzlich verabschiedet, Wolken verdunkeln unseren Erdnachbarn.

Ein Funkeln erregt meine Aufmerksamkeit, ich strebe diesen kleinen grünblauen Lichtpunkten zu und bleibe fasziniert vor einer Ansammlung Glühwürmchen stehen.
Erst merke ich nicht, dass meine Schuhe nass werden, dass sich langsam aber stetig Wasser und Morast in meine Schuhe drängen.

Ich sinke, sinke immer tiefer und schaffe es nicht, mich zu bewegen.

Immer weiter, immer tiefer, das Atmen fällt schon schwer und als ich bis zum Hals im Morast eingesunken bin, verwandelt sich alles in Stein.

Hart, kalt, unnachgiebig.

Jaaa, und jetzt wache ich endlich auf!
Schweißgebadet, aber froh, diesem Inferno entronnen zu sein.

Der (Alp-)Traum war am darauffolgenden Morgen immer präsent in meinen Hirnwindungen und so versuchte ich nachzuspüren, welche Ereignisse nach einer Verarbeitung suchten.

Schnell kam ich darauf, denn die Tage zuvor hatte ich mitbekommen, wie in moderner Art und Weise Gärten und Vorgärten, Einfahrten, Plätze für Mülltonnen und dergleichen gestaltet werden.

Alleine schon, dass die neue Baukultur sich in den Farben Weiß, Grau und Schwarz erschöpft, gibt es weitere Gestaltungsformen, die nicht wirklich einem kreativen Denkorgan entsprungen sind.

Natur ist out, weil zu pflegeintensiv, oder weiß der Geier was?
Gabione müssen her.
Das ist das Allround-Gestaltungselement mit vielen Möglichkeiten.
Wer es nicht weiß, das sind Drahtkörbe, bzw. Drahtgeflechte, von quadratisch, rechteckig, rund und was noch alles, die mit Steinbrocken gefüllt werden.
Brauchs´te nicht streichen, gehen kaum kaputt, was will man mehr?
Meist sind die Felsstücke, also die Füllung, grau, allerdings kann man da noch auf einige Schattierungen zurückgreifen.
So, mit diesen Dingern kann man schon mal eingrenzen, abgrenzen, Mauern ziehen, Blickfänge setzen.

Häh, Blickfang setzen?

Also wer so ein Element als Blickfang sieht, der sollte dringend seine Sehkraft prüfen lassen.

Damit sich das Thema weiter fortsetzt, knallt man auch den Vorgarten und dergleichen mit Kies, Splitt, Schotter und weiterem haltbarem Material voll.

Quadratmeter um Quadratmeter gestaltet man mit einem Stoff, der zwar aus der Natur ist, aber der der Natur keinen Lebensraum bietet. Zudem heizt sich im Sommer diese Steinwüste extrem auf, trägt weder zu einem gesunden Klima bei, noch zur optischen Ergötzung.

Ich frage mich wirklich, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht, die sich eine Steinwüste anlegen.
Eigentlich sind es doch arme Geschöpfe, die weder eine Beziehung zur Natur haben, denen die Phantasie abhandengekommen ist, oder die nur im Sinne eines Lemmingeverhaltens einen „edlen“ Vorgarten oder Garten haben müssen, weil ein Geldiger sich irgendwo zum Designerhaus auch etwas Pflegeleichtes anpassen ließ. Vielleicht noch etwas Carrara-Marmor-Bruchstücke dazwischen, einige Solnhofener Kalkstein mit Einschlüssen von Fossilien?

Eine Amethyst-Druse, ein paar extravagante Bergkristalle und als Highlight ein angeketteter 750 Jahre alter Bonsai mittendrin, wäre mal etwas Anderes.

Inzwischen ist es so, dass, wenn ich mich in Siedlungsgebieten, fast egal wo, umsehe, ich meine, immer noch in meinem Traum gefangen zu sein.

Umso mehr gibt mir die gewachsene Natur in ihrem Sein etwas,
das ich sonst nirgends finde:
Frieden.

Tom di Luc

Copyright 2021 Garten des Grauens

 

 

 

Das Dilemma: Fast hätte ich ihn umgebracht

Das Dilemma: Fast hätte ich ihn umgebracht

Schon über ein Jahrzehnt ist er bei uns in der Familie und hat es, bis auf kleine Krisen, immer gutgehabt.
Er wurde regelmäßig gefüttert, hatte die Temperatur, die ihm behagte und er durfte seinem Drang sich fortzupflanzen nachkommen. Dadurch stabilisierte sich seine Bakterienflora und er roch nicht mehr so streng, als wie in den Anfangsjahren.

Man könnte schier sagen, er ist der Pubertät entwachsen.

Zwischendurch musste man ihn schon etwas bremsen, damit er nicht zu ungestüm wurde. Das geht bei ihm nur, wenn man ihm die Hitze nimmt und ins Kühle befördert.
Nein, das ist nicht brutal, der braucht das manchmal, so als Erziehungs- und Kultivierungsmaßnahme.

Es war wieder einmal der Zeitpunkt gekommen, ihn ins Freie und Warme zu lassen, damit er dem Verlangen nach Vermehrung freien Lauf lassen konnte.
Dazu wird er gut gefüttert, aber nach einem strengen System und außerdem braucht man ja Kraft dazu, wie man allgemein weiß.
Nachdem ich ihn aus seiner kühlen Dunkelkammer entlassen habe, gab ich ihm am Morgen etwas Getreide, dazu ein paar Schluck Wasser.

Erstmal langsam angehen lassen, das ist wichtig.

Am Abend nochmals dasselbe Prozedere, so ebenfalls am darauffolgenden Morgen.
Auf den Nachmittag freut er sich besonders, denn nun kommt etwas Geschmack dazu.

Neben einer weiteren großen Portion Getreide ist Kümmel, Koriander, Fenchel und etwas Salz auf dem Speiseplan.

In Gedanken versunken bereitete ich ihm das letzte Mahl vor, ehe es wieder in die kühle Ruhestätte geht. Länger darf man ihn nicht draußen lassen, denn er bläht sich ganz schön auf und manchmal schießt er auch über das Ziel hinaus. Das geschieht meist dann, wenn ich ihm nicht genug Raum gebe und er mit erhitztem Gemüt schon Blasen wirft.
Bevor nun eben diese vorerst letzte Speisung vollzogen wird, muss ich ihm, so leid es mir tut, einiges von seinem physischen Körper abzwacken.

Mit diesem Anteil darf er – sofern ich es eben nicht verbummele – zu gegebener Zeit wieder wachsen und gedeihen. Ein bisschen Verantwortung muss ja auch von meiner Seite aus sein.

Den Großteil seiner Masse werde ich später genüsslich verspeisen.

Wie eben erwähnt bin ich gedankenverloren und vergesse seine Erbanlagen in Reinform abzunehmen, damit sie nicht mit den anderen Zutaten verunreinigt werden.

Und genau dies habe ich versemmelt!

Der Schreck war groß, denn ich schätze sein Dasein und seine Mitarbeit über alle Maße.

Gedanken überschlagen sich, der Selbstvorwurf ist groß, mindesten so groß wie die Frage, ob er diesen extremen Intoxikationsschock überwinden kann.
Ich versuchte ihm sogleich eine Getreide-Reinkultur-Mahlzeit anzubieten und konnte nur hoffen, dass er nicht zu sehr darnieder lag.

Mehr machen konnte ich nicht, nur warten, warten, warten.

Am nächsten Tag stattete ich ihm gleich nach dem Aufstehen einen Besuch ab, ich wollte sehen, wie es ihm geht.
Erleichtert sah ich ihm seine kräftigen Blähungen an, die er immer dann bekommt, wenn ihm etwas schmeckt.

Mit unendlicher Freude meinerseits blieb er noch ein paar Tage in der warmen Pflegestation, bevor er erneut in den gewohnten Kälteschlaf versetzt wurde.

Ach so, Sie wissen nicht wirklich, vom wem ich erzähle?

Von unserem Sauerteig, von wem sonst?

Euer
Tom di Luc

Copyright 2021

 

 

 

Duft oder Gestank

Duft oder Gestank – eine Frage – ja wovon eigentlich?

Für den einen ist es Wohlgeruch, für den anderen penetranter Gestank – also was ist es, Duft oder Gestank.
Ob dies im Kulinarischen ist, oder bei der Körperpflege, am Arbeitsplatz, in der Freizeit, beim Einkaufen oder in der Natur, Gerüche begleiten einen permanent, ob nun möchte, oder auch nicht.
Hier geht es nicht primär um Umweltverschmutzung, Industriegestank, Abgase etc., sondern eher den menschennahen Gerüchen, oder Düften, oder dem Gestank, oder wie man sonst die olfaktorische Wahrnehmung betiteln möchte.

Wir Menschen haben bekanntermaßen einen Stoffwechsel der Warmblüter. Also, was da rein kommt, muss nach der Verwertung wieder irgendwie raus.
Der Toilettengang ist eine Form und ich glaube, dass man die Wahrnehmung über die Nase nicht als wohltuender Duft definiert, sondern eher als das Gegenteil. Obwohl man an diesem Duftspektrum auch wie
Besonders in der Partnerschaft ist dies ein interessantes Thema, denn der Ausspruch: „Ich kann oder mag dich (nicht) riechen“ ist sehr aussagekräftig. Häufig werden feine Körpergerüche mit synthetischen Düften überlagert, so dass das Hormonsystem mit seinen „Antennen“ gar nicht richtig abfühlen kann, ob das Gegenüber zu mir passt…
Das Buch „Maiglöckchenphänomen“ gibt sehr interessante Aufschlüsse.
Sympathie – Antipathie, empathisch, oder nicht, diese Entscheidungen fallen teilweise in Millisekunden.

Düfte zur Manipulation

Düfte werden inzwischen sehr häufig zur unterbewußten Manipulation einesetzt. Manchmal riecht man sie nicht bewußt, aber durch unsere Prägung und Konditionierung verbindet unser Unterbewußtsein dies mit bestimmten, meist positiven Ereignissen. Auch so geht Verkaufsförderung, weckt Begierden oder Appetit.
Selbst in der Partnerwahl haben Düfte ihr Manipulationspotential. So verströmen Frauen in unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus, unterschiedliche Hormoncocktails.
Andersherum sind sie deshalb nicht immer empfänglich für den Testosteronüberschwang bei Männern, nämlich dann, wenn eher der Beschützer, denn der Macho auf dem Programm steht.

Künstliche Düfte

Leider werden echte Duftstoffe wie ätherische Öle immer mehr synthetisch hergestellt. Dass diese wesentlich penetranter riechen, ist den meisten Verbrauchern wohl vollkommen egal.

Waschmittelduft – allgemeiner Gestank an jeder Ecke – = Discounter-Mief
Noch schlimmer Weichspüler, Dufttücher u. dgl.
Parfüms und Rasierwasser, Deo und Hygieneartikel – würg…
Auto – künstlicher Lederduft
Geschäfte beduftet
Parfümläden – o Graus
Wunderbäume & Co. – Sind sogar gewässerschädigend und Fischsterben auslösend…
Haltbarer Duft an Bücher aus der Bücherei
Sogar an der stinkigen Zapfsäule bleibt Parfüm und Rasierwasser länger und intensiver als das Benzin haften.

Freiheit Düfte nicht aufgezwungen zu bekommen

Ja, wo ist sie denn, die Freiheit, reine Luft atmen zu können.

Es gibt sie nicht wirlich. Erst wenn der Verursacher, die Verursacherin sich bewußt ist, dass er/sie andere Menschen nicht gefragt habt, ob sie den Duft X überhaupt riechen möchten, ist ein Schritt, ich denke der wichtigste, getan.

Und weitere Schritte könnten folgen.
Genau, könnten!

Zumindest ist weniger mehr und manchmal nichts noch besser.

Oder so…

Ich mach mir mal weiter Gedanken.

Euer frische Luft liebender
Tom di Luc

Jahreswechsel 2019 – 2020

Jahreswechsel 2019 – 2020

Ihr Lieben, die Ihr dem Schreiben und Lesen frönt,
das Jahr 2019 war für mich ein Jahr mit Höhen, aber auch Tiefen, da ich meine Mutter verloren habe.
Die Begleitung meiner Mutter seit der Diagnose Krebs – unheilbar, bis zum letzten Schnaufer (8 Wochen), die Organisation von der Windel bis zum Palliativ-Team, all dies hinterließ seine Spuren.
Die restliche Kraft habe ich benötigt, um meine Existenz aufrecht zu erhalten und meine Reserven sind ins Minus gelaufen.
Wie Ihr wisst, sind meine Regenerationsphasen sehr lange, will heißen, ich werde noch einige Tage der relativen Ruhe benötigen, um wieder in die Puschen zu kommen.
Selbst ein länger Spaziergang ist anstrengend, oder ein Beisammensein mit Freunden – aber ich brauche die Natur und Freunde, ich möchte trotzdem keines missen.
Auch wenn ich das Schreiben als sehr kreativ empfinde, Ideen sind nicht wirklich vorhanden, erst recht das Umsetzen in sinnvolle Sätze.
Ich habe es nicht einmal geschafft, mein neues Buch „Momente“, das vor einem Jahr fertig wurde, richtig vorzustellen. Aber es kommt noch…

So schließe ich dieses Jahr ohne kleine oder große Werke beigetragen zu haben, aber mit der Hoffnung und dem Bestreben, 2020 der Kreativität wieder etwas mehr Raum zu geben – so zumindest der gute Vorsatz.

Euch allen wünsche ich das Beste, dass Ihr ein friedliches und gutes Leben führen könnt, dass es liebe Menschen für Euch gibt und dass Ihr als liebe Menschen auch für andere da seid.

Gehabt Euch wohl und bis nächstes Jahr!

Euer Tom di Luc

Du leistest zu wenig?

Du leistets zu wenig, das ist ein Gedanke, der viele Menschen plagt.

Doch was ist der eigentliche Hintergrund? Sind es Selbstwertzweifel, ist es ein Dogma, dass nur Spitzenleistung erbracht werden muss?
Frühförderung auf „Deibel komm raus“, schließlich muss es das Kind ja mal besser haben, als man selbst. Die Projektion der Eltern was sie selbst nicht erreicht haben auf die Kinder bringt manchmal mehr Druck als Segen.

Was ist, wenn man die Vorgaben der Gesellschaft nicht erfüllen kann, ist man dann minderwertig?
Bereits im Kindergarten wird eine gewisse Leistung erwartet, erst recht in der Schule, anschließend im Beruf.
Auch Vater Staat erwartet Leistung, meist in Form von Steuern und Abgaben.

Klar, wenn man in einem so tollen Sozialsystem Deutschland lebt, muss man auch seinen Anteil dazu beitragen…
Aber der Staat richtet sich nach der Marktwirtschaft, nicht wirklich nach sozialen Bedürfnissen.
Kann man erwartete Leistungen nicht bringen, ist der soziale, gesellschaftliche Abstieg vorprogrammiert, oder das Hineinpressen in bestimmte Schubladen.
Menschen, die gesundheitlich nicht nach allgemeinen Erwartungen und Vorgaben können, sind schon aus dem Raster gefallen.
Diese Spezies wird gemeinsam mit geistig oder körperlich behinderten Menschen genötigt, sich in soziale Einrichtungen zu begeben. Auch dies ist wieder ein positiver Punkt, aber werden sie wirklich nach ihren Fähigkeiten eingesetzt? Wird versucht, diese Menschen wirklich zu integrieren?
Definitiv nein, denn mit Menschen, auf die man sich nicht 110%ig verlassen kann, sind nicht kalkulierbar.
Jeder Unternehmer muss kalkulieren, ist zunehmend mehr bedacht auf die Einsparung von Menschen, zugunsten eines entsprechenden Maschinenparks oder technischer Helfer.
Eine feststehende Behinderung führt dazu, dass diese Menschen in das Raster X einsortiert werden. Wer eine körperliche Behinderung hat und sich geistig mit seinen Ideen durchsetzen kann, ist schon eine beachtliche Leistung. Nur nicht jeder hat die Kraft dazu.
Definitiv ist das deutsche Sozialsystem eines der besten, ohne Zweifel, aber wie schaut es mit der menschlichen Seite aus?
Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung haben es schwerer, denn sie müssen einige Stationen durchlaufen. Der Amtsarzt (die Ärztin) ist die erste Hürde. Diese Stelle ist so gebrieft, dass die Beschwerden erst einmal gerell angezweifelt werden. Eine Anerkennung „diffuser Befindlichkeitsstörungen“ findes sicherlich nicht statt.
Viel eher wird man in Maßnahmen gepresst (als ob man nicht schon selbst genug versucht hat, dass es einem besser geht), die die Arbeitsfähigkeit wieder herstellen. Dies kann auch dazu führen, dass man zur Einnahme von Psychopharmaka angehalten wird.
Es wird also alles getan, den Menschen dahingehend gangbar zu mache oder halten, dass er sich in die Arbeitswelt und Gesellschaft einfügt.
Es wird wenig dafür getan, die äußeren Bedingungen auf den Menschen zu optimieren.
Wieder eine Konsequenz der Leistungsgesellschaft und der Kalkulationen?

Es geht mir darum aufzuzeigen, dass man sich sicherlich auf Menschen verlassen muss, um gewisse Dinge auf die Reihe zu bekommen, sprich man muss kalkulieren. Diese Kalkulation läßt jedoch wenig Spielraum oder Freiheit, weil der Druck auch auf den Unternehmer sehr stark ist.
Wer oder was ist jedoch der Initiator dieser Missere?
Der Verbraucher! Tschuldigung, wenn ich ihm einiges in die Taschen schiebe, aber wenn der Billig-billig-Gedanke nicht verändert wird in Richtung „Gutes darf etwas kosten“, wird sich dies nie ändern.
Und niemand braucht zu lamentieren, dass es ihm ach so schlecht geht, wenn er beim Discounter einkaufen geht und zuhause den 3²m-Flachbildschirm hängen hat, All-inklusiv-Urlaub macht und sonst keinen Wert auf Qualität legt.
Hauptsache alles haben, auch wenn es Schrott ist, Essen was den Bauch vermeindlich vollmacht, ohne darauf zu achten, was man sich einverleibt, was ist das für eine Menthalität?

Man könnte dieses Thema endlos weiterspinnen – vielleicht mache ich es auch mal…
Oder doch nicht?
Es gibt wichtigeres.
Aber vielleicht ist es wichtig?
Vielleicht ist es auch ein Schmarrn (hochdeutsch: verbaler Käse)?

Euer in Gedanken versunkene Tom di Luc

Endlich Sommer

Sommer, Sonne, 30° C – kommt keiner mehr mit „normalem“ Wetter zurecht?

„Endlich Sommer“, so hört man viele krähen, wenn es bereits im Mai Temperaturen um die 30° C hat.
Sommer? Mai? 30° C?
Hallo, 30° C-Temperaturen sind eher im kalendarischen Sommer, der am 20. oder 21. Juni beginnt, normal. Ab hier werden die Tage wieder kürzer, aber die typische Sommerhitze nimmt noch zu.

Im Radio bejubelt man die hohen Temperaturen, den Regen hingegen stellt man als Wetter-Bösewicht dar, der die Feierlaune verdirbt.
Der Moderator tönt: „Nun müssen wir nur noch über den nassen Donnerstag hinweg kommen, dann steht dem Biergartenbesuch oder Feiern im Freien nichts mehr im Wege. Die Temperaturen klettern auf angenehme 30° C.“
Oder: „Es gibt heute nur 22-27° C (bei 70% Luftfeuchte), aber damit lässt sich ja auch etwas anfangen“.
Ja gibt´s denn auch noch was, außer feiern bei 30° C?

Fühlt sich bei 30° C wirklich jeder sauwohl?
Anscheinend wird die Affenhitze mit Urlaubsfeeling gleichgesetzt, aber so ein Verhalten ist doch abnormal.
Kommt keiner mehr mit „normalem“ Wetter zurecht?

Scheißegal, ob draußen in der Natur alles verdorrt, man kauft seine Lebensnittel es ja sowieso verpackt und anonym beim Discounter.

Und vielleicht könnte man mal überlegen, dass es mehr Menschen als gedacht gibt, die mit Hitze nichts anfangen können, bzw. die ihnen sogar sehr zusetzt.
Schon mal darüber nachgedacht?

Nun muss ich gestehen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen zu der Fraktion gehöre, bei der ab 22° C mit Wohlfühlen Schluss ist.
Raus in die Sonne – würde ich gerne, geht aber nicht.
Sommerfeeling genießen – Fehlanzeige.
Da wird man natürlich auch etwas brummig, wenn nur das ach so schöne 30°C-Wetter hochgejubelt wird.

Nein, mir geht es um das Unverstädnis, die Bewußtlosigkeit und die Ingnoranz, was die Bedürfnisse der Natur betrifft. Der Mensch entfernt sich immer mehr von der Natur (sogar seiner eigenen) und eigentlich ist ihm der Klimawandel doch schnurzpiepegal. Leider!

In diesem Sinne wünsche ich allen einen kühlen Kopf!

Euer Tom di Luc

Outing

Outing – Mut oder Dummheit?

Früher war das Outing meist mit einem für die Gesellschaft nicht kompatiblen Lebensstil verbunden. Dieser wurde verheimlicht und erst wenn der Druck zu groß wurde, brachte man es ans Licht der Öffentlichkeit.

Heute ist Outing schon fast ein Medienereignis, das den Voyeurismus manches Menschen befriedigt. Facebook & Co. bilden die Plattformen und tausende Folgender rennen visuell Personen oder und Familien hinterher, die ihr Leben in allen Details der Öffentlichkeit preis geben.

Outing kann aber auch helfen, indem man nicht alltägliche Situationen beschreibt und somit Menschen das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein, beispielsweise bei selteneren Erkrankungen.

Outing hat natürlich Risiken. Man macht sich noch gläserner, gibt gewisse Informationen preis, die möglicherweise zu unlauteren Zwecken verwendet werden, oder dienen als „Futter“ um einen zu diskreminieren, runterzumachen oder anzufeinden.

Outing heißt meist auch Schwächen im Sinne einer leistungsorientierten Gesellschaft zu zeigen. Eigentlich ist es eher mutig zu sich und seinen „Gebrechen“ zu stehen. Das ist für den Beruf schon problematisch genug. Sind diese allerdings schulmedizinisch nicht zu fassen und einzuordnen, dann wird das Problemchen zu einem großen Problem.
Es gibt sehr viele Menschen, die mit ihren Lebensumständen nicht zurecht kommen. In erster Linie hat dies gesundheitliche oder finanzielle Gründe, woraus sich beide zu einem großen Problem mit Spiralcharakter oder zum Teufelskreis entwickeln.
Davon kann ich selbst ein Liedchen singen…

Outing heißt also auch die Chance zu bekommen, mit Menschen gleicher Interessen oder ähnlicher Ausgangslagen in Austausch zu kommen. Sich mal „auskotzen“, mit jemandem reden zu können, der einen zumindest als Mensch versteht, das wäre ebenfalls ein positiver Aspekt.

Nun denn, das waren meine Gedanken zum heutigen Thema.

Gruß, Euer
Tom