Der Wind, der Wind
Der Wind, der Wind

Der Wind, der Wind

Der Wind

– Ein fast Tabu-Thema ist der „Druckausgleich“ des menschlichen Körpers, wenn in ihm durch gewisse Stoffwechselvorgänge Gase gebildet werden. Diese suchen sich aufgrund anatomischer Gegebenheiten den Weg in die Freiheit, indem sie sich durch zahlreiche Windungen zwängen. Am Ende des Weges angekommen, geben sie dem Torwächter den Impuls, das Hintertürchen einen Moment zu öffnen.
Für den Menschen wird dies in der Regel mit einem wohlgefälligem Gesichtsausdruck quittiert. Wenn dies also eine Wohltat ist, warum wird dies tabuisiert? Womöglich hat dies mit verschiedenen akustischen oder und olfaktorischen Begleitumständen zu tun.
Akustisch werden die verschiedenen Tonlagen beim Entfleuchen, manchmal einem Trompetensolo gleich geblasen, ein anderes Mal zischt es nur, oder es geht ohne größere Lautäußerungen von sich. Kontrollieren lässt sich der Gasstrom nur sehr grob, weshalb die Transformation in Dur oder Moll reiner Zufall wäre.

Die geruchsaromatischen Stoffe, die beim Entlassen in die Umwelt freigesetzt werden, sind da schon anderer Natur und finden in der Regel wenig Freunde.
Die Natur ist sehr erfinderisch. Je nach ernährender Ausgangslage synthetisieren die beteiligten inhärenten Kleinstlebewesen ein einmaliges Aromenspektrum.
Da man diese beiden menschlichen Körperäußerungen – Geruch und Ton – keinem anderen zumuten möchte, bedient man sich diverser Verschleierungsmaßnahmen. Erkennbar ist dies an einem Gesichtsausdruck, der beispielsweise durch zusammengekniffene Lippen auffällt. Bei grünlich bis puterrot schimmernder Gesichtsfarbe lässt es die Vermutung zu, dass der drängende Druckausgleich längere Zeit unterbunden wurde und der Organismus kurz bevorsteht, das Notventil zu öffnen.

Weitere Anzeichen, die man hauptsächlich in Meetings, in Bahn oder Bus, beobachten kann, ist eine angespannte Sitzhaltung. Kerzengerade, die Muskeln und Sehnen der unteren Körperpartie sind bis auf´s Zerreißen angespannt, sitzt oder steht man mit der Hoffnung auf einen unbeobachteten Moment.

Lässt sich der Befreiungsdrang der Gaswolke nicht mehr zähmen, wird idealerweise eine eng aneinander stehende Menschenansammlungen aufgesucht, in der sich die Entladung versteckt vollziehen lässt.
Beschuldigend dreht man sich zum Nachbarn um und wirft ihm einen verächtlichen Blick zu, nur, damit alle Umstehenden wissen, dass man es selbst nicht gewesen ist.

Tom di Luc Copyright Juli 2015

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