Du leistest zu wenig?

Du leistets zu wenig, das ist ein Gedanke, der viele Menschen plagt.

Doch was ist der eigentliche Hintergrund? Sind es Selbstwertzweifel, ist es ein Dogma, dass nur Spitzenleistung erbracht werden muss?
Frühförderung auf „Deibel komm raus“, schließlich muss es das Kind ja mal besser haben, als man selbst. Die Projektion der Eltern was sie selbst nicht erreicht haben auf die Kinder bringt manchmal mehr Druck als Segen.

Was ist, wenn man die Vorgaben der Gesellschaft nicht erfüllen kann, ist man dann minderwertig?
Bereits im Kindergarten wird eine gewisse Leistung erwartet, erst recht in der Schule, anschließend im Beruf.
Auch Vater Staat erwartet Leistung, meist in Form von Steuern und Abgaben.

Klar, wenn man in einem so tollen Sozialsystem Deutschland lebt, muss man auch seinen Anteil dazu beitragen…
Aber der Staat richtet sich nach der Marktwirtschaft, nicht wirklich nach sozialen Bedürfnissen.
Kann man erwartete Leistungen nicht bringen, ist der soziale, gesellschaftliche Abstieg vorprogrammiert, oder das Hineinpressen in bestimmte Schubladen.
Menschen, die gesundheitlich nicht nach allgemeinen Erwartungen und Vorgaben können, sind schon aus dem Raster gefallen.
Diese Spezies wird gemeinsam mit geistig oder körperlich behinderten Menschen genötigt, sich in soziale Einrichtungen zu begeben. Auch dies ist wieder ein positiver Punkt, aber werden sie wirklich nach ihren Fähigkeiten eingesetzt? Wird versucht, diese Menschen wirklich zu integrieren?
Definitiv nein, denn mit Menschen, auf die man sich nicht 110%ig verlassen kann, sind nicht kalkulierbar.
Jeder Unternehmer muss kalkulieren, ist zunehmend mehr bedacht auf die Einsparung von Menschen, zugunsten eines entsprechenden Maschinenparks oder technischer Helfer.
Eine feststehende Behinderung führt dazu, dass diese Menschen in das Raster X einsortiert werden. Wer eine körperliche Behinderung hat und sich geistig mit seinen Ideen durchsetzen kann, ist schon eine beachtliche Leistung. Nur nicht jeder hat die Kraft dazu.
Definitiv ist das deutsche Sozialsystem eines der besten, ohne Zweifel, aber wie schaut es mit der menschlichen Seite aus?
Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung haben es schwerer, denn sie müssen einige Stationen durchlaufen. Der Amtsarzt (die Ärztin) ist die erste Hürde. Diese Stelle ist so gebrieft, dass die Beschwerden erst einmal gerell angezweifelt werden. Eine Anerkennung „diffuser Befindlichkeitsstörungen“ findes sicherlich nicht statt.
Viel eher wird man in Maßnahmen gepresst (als ob man nicht schon selbst genug versucht hat, dass es einem besser geht), die die Arbeitsfähigkeit wieder herstellen. Dies kann auch dazu führen, dass man zur Einnahme von Psychopharmaka angehalten wird.
Es wird also alles getan, den Menschen dahingehend gangbar zu mache oder halten, dass er sich in die Arbeitswelt und Gesellschaft einfügt.
Es wird wenig dafür getan, die äußeren Bedingungen auf den Menschen zu optimieren.
Wieder eine Konsequenz der Leistungsgesellschaft und der Kalkulationen?

Es geht mir darum aufzuzeigen, dass man sich sicherlich auf Menschen verlassen muss, um gewisse Dinge auf die Reihe zu bekommen, sprich man muss kalkulieren. Diese Kalkulation läßt jedoch wenig Spielraum oder Freiheit, weil der Druck auch auf den Unternehmer sehr stark ist.
Wer oder was ist jedoch der Initiator dieser Missere?
Der Verbraucher! Tschuldigung, wenn ich ihm einiges in die Taschen schiebe, aber wenn der Billig-billig-Gedanke nicht verändert wird in Richtung „Gutes darf etwas kosten“, wird sich dies nie ändern.
Und niemand braucht zu lamentieren, dass es ihm ach so schlecht geht, wenn er beim Discounter einkaufen geht und zuhause den 3²m-Flachbildschirm hängen hat, All-inklusiv-Urlaub macht und sonst keinen Wert auf Qualität legt.
Hauptsache alles haben, auch wenn es Schrott ist, Essen was den Bauch vermeindlich vollmacht, ohne darauf zu achten, was man sich einverleibt, was ist das für eine Menthalität?

Man könnte dieses Thema endlos weiterspinnen – vielleicht mache ich es auch mal…
Oder doch nicht?
Es gibt wichtigeres.
Aber vielleicht ist es wichtig?
Vielleicht ist es auch ein Schmarrn (hochdeutsch: verbaler Käse)?

Euer in Gedanken versunkene Tom di Luc

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.