Von Tauben und Vögeln

Ein spontanes Gedicht, inspiriert von einem Taubenpaar: Von Tauben und Vögeln

Ein schöner Abend im Mai, die laue Luft lud ein, ein paar Stunden auf der Terrasse zu verbringen. Weiße Schäfchenwolken zogen am sonst blauen Himmel vorbei und man hatte den Eindruck, dass der Schäfer seine Herde nicht ganz im Griff hatte.

Der Grill wurde mobilisiert, der Rotwein gelüftet. Man macht es sich bequem und genoss die frische Luft, die schon ein wenig nach Sommer roch.
Nebenan im Walnussbaum, der gerade im Austrieb war, tummelten sich diverse Singvögel, die den Abend mit ihrem Gesang akustisch verschönerten.

Kurze Zeit später gesellt sich ein Täuberich hinzu, ließ sich auf einem Ast nieder und fing an, das Gefieder zu putzen. Als er fertig war, trippelte er den Ast zuerst in die eine, dann in die andere Richtung entlang, als ob er noch jemanden erwartete. Immer nervöser werdend schaute er sich um und endlich kam sie, seine Angebetete.

Sie flatterte galant auf einen Ast neben ihn, schaute scheu umher, bis er mit einem akrobatischen Sprung neben sie hüpfte. Zuerst zögerlich, dann etwas intensiver, drängte er zum Kuscheln.

Ach Gott, was hat sie sich künstlich geziert, obwohl man genau sah, wie sie die Augen dabei genüsslich verdrehte. Anschließend ging es ans Gefieder zupfen, bei dem sich auch das Täubelinchen nicht lumpen ließ.

Nächster Durchgang: Schnäbeln.
Als würden sie knutschen, sich füttern, so rieben sie ihre Schnäbel aneinander. Logisch, dass da der Zungenkuss ausblieb; wie auch, bei den unflexibel Mundwerkzeugen. Aber es tat den beiden keinen Abbruch.

Nanu, was jetzt, wird er rabiat?
Er rückt ihr jetzt aber gehörig auf die Pelle – und sie lässt es sich auch noch gefallen.

Jetzt geht es aber zu weit. Mit dem Schnabel kneift er sie ins Genick und, man hat es sicher schon erahnt, steigt ihr aufs Dach, also vielmehr auf den Rücken. Sie lässt ihn gewähren.

Er vollzieht einen Balanceakt, presst sein – na, Sie wissen schon – so von oben, seitlich mit sanfter Gewalt, auf Ihr Dings, das sie ihm ebenfalls seitlich nach oben entgegenstreckt. Zwei, drei Sekunden und der Höhepunkt der Taubenliebe war vorbei. Ja gut, es dauert bei den Tauben nicht so lange, aber dafür genießen Sie diese Art Sport mehrmals am Tag.

Für diesen Moment war es das dann für die beiden. Als die Sonne gerade als glutroter Ball am Horizont unterging, richteten sie sich ein jeder noch sein Gefieder.

Dann schauten sie sich an, so nach dem Motto:
Huch, was ist über uns gekommen? Hoffentlich hat uns niemand dabei gesehen.

Irgendwie war es schön, dieses intime Theaterstück mit anschauen zu dürfen. Nicht aus dem Bedürfnis des Voyeurismus, eher aus Interesse. Alles war so natürlich, selbstverständlich, also eigentlich normal.

Dieses Erlebnis wollten wir gerne teilen und schrieben eine SMS an Marlene, die mit ihrem Ehegespenst gerade ein paar Tage ausspannen war.

Zurück kam die Nachricht: „Vorsicht, nicht nachmachen, sonst gibt es Junge!“

Wir SMSten zurück: „Keine Angst, machen es garantiert nicht nach – zu gefährlich – fallen sonst bestimmt vom Ast!“

 

Tom di Luc   Copyright Mai 2016

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